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"Jeder Tritt zertrümmert unzählige Buddha-Reiche !

Jeder Blick verstummt ganzes Dharmakaya !"

Montag, 16. Dezember 2013

"WILDER FUCHS ZEN"


'Wilder Fuchs Zen'

Công án:

Zen-Meister Ba Truong ist Dharma-Nachfolger von Ma To. Ma To gründete eine Zen-Tradition und Ba Truong pflegt und führt die Tradition lebendig fort. Die beiden sind die Setzer der ersten Kiefer eines Kiefernwaldes. Eines Tages nach dem der Ba Truong mit seinem Dharma-Vortrag fertig war – sämtliche Zuhörerschaft hatte sich bereits zurückgezogen – bleibt nur noch ein alter Mann übrig.

Der Meister fragte:
– "Wer sind Sie?"

Der alte Mann antwortete: 
– "Mensch bin ich wirklich nicht. Ehrlich gesagt, vom Wesen her bin ich ein wilder Fuchs. Während der Zeit des Buddhas der Vergangenheit praktizierte ich Zen auf diesem Berg. Damals gab es einen Mönch, der mich folgendes fragte: 'Verstricken sich die großen Zen-Praktiker nach der Existenzbeendigung ihres leiblichen Körpers im hiesigen Dasein noch im Strudel des Samen-Früchte-Kreislaufes?´." (*1.)

Darauf habe ich geantwortet:
Sinngemäß: – "Nein, sie verstricken sich nicht mehr darin !"
Wörtlich: - ["Saat-Früchte un-verstrickt !"]

"Wegen dieser Antwort war ich in das Dasein eines wilden Fuchses seit immerhin fünfhundert Jahren verfangen. Heute ist der letzte Tag und ich erwarte von Dir, dem Zen-Meister, einen Verwandlungsspruch. Möge ich mich dadurch aus diesem Wilden-Fuchs-Dasein befreien."

Nachdem Zen-Meister Ba Truong zugehört hatte, antwortete er herzlich:
– "Bitte Herr, wiederholen Sie Ihre Frage."

Der alte Herr faltet die Hände zusammen und wiederholte seine Frage:
– "Verstricken sich die großen Zen-Praktiker nach der Existenzbeendigung ihres leiblichen Körpers im hiesigen Dasein noch im Strudel des Samen-Früchte-Kreislaufes?“

Der Zen-Meister Ba Truong antwortete:
Sinngemäß: - "Sie ver-irren sich nicht mehr im Strudel des karmischen Samen-Früchte-Kreislaufes !"
Wörtlich: - ["Saat-Früchte - un-verirrt !"]

Dank dieses Satzes erwachte der alte Herr an Ort und Stelle, zeigte eine dankbare Geste und verabschiedete sich.

Am nächsten Tag führte der Zen-Meister Ba Truong die Mönchsgemeinde zur anderen Seite des Berges. Mit einem Stock grub er aus einem hohlen Felsen die Leiche eines kürzlich verstorbenen wilden Fuchses aus. Er bat die Anwesenden, eine Totenzeremonie für den Fuchs vorzubereiten, so als wäre diese für einen Mönch vorgesehen.

Kommentar:

Ein winziger Splitter, verursacht jedoch große Gefahr. Wie kann das sein, der Eine wegen eines winzigen falschen Festhaltens fünfhundert Jahre im Dasein eines wilden Fuchses gefangen? Wie kann das sein, dank eines einzigen Spruchs im Nu befreit? So verhängnisvoll ist das Karma des Mundwerks und wie kommt es zustande? Der Eine verfängt sich wegen eines Splitters im Auge im Gefängnis der geistigen Verblendung. Dank eines Spruchs erstrahlt das Licht der Befreiung in einem Augenblick. Herrlich, oh wie herrlich, des Meisters Verwandlungsspruch!

Schau her, großer Zen Praktiker, welcher erklärt, sich vom Karma–Kreislauf 'abgeschnitten' zu haben. Aber unwissend das 'Samen-Früchte-Gesetz' übersehen, welches als einer der wichtigsten Grundsätze der Lehre Buddhas gilt. Abgesehen von den gängigen Wegen hinter den Dharma-Toren des Lebens und Sterbens:

"Funkelnde Goldsplitter, wie kostbar und wertvoll –
im Auge verfangen, brennen sie schmerzvoll."


Daher muss man sich nicht wundern, dass sie sich trauen, in ihre eigene Essschale zu pinkeln, und sie gleich auch noch zertreten, nachdem sie eben gerade von dieser, gefüllt mit Buddhas edelstem Nektar, gekostet haben, welche für sie reserviert war. „So die Samen, so die Früchte …“, darin sollte sich kein großer Zen-Praktiker, der das 'schattenlose Licht' erblickt hatte, mehr irren dürfen!

"Wenn schon Festhalten,
dann lieber an Sein und Schein –
so groß wie ein Berg,
als das Festhalten an Leere –
so klein wie ein Senfkorn."

Das Licht existiert nicht! Oder ist das Wesen der Dunkelheit an sich so 'dunkel', weshalb jenes verdunkelte Territorium, über welches die Dunkelheit herrscht, niemals erhellt werden könnte? Sich niemals beleuchten ließe? Oder doch, nur wegen der karmisch vielschichtigen, verblendeten Unwissenheit nicht? Hierfür redet das 'Blitz-Phänomen' immer wieder für sich selbst, und zwar einleuchtend: Auf einen Schlag beleuchten Blitze mitten in der Nacht das mit Regenwolken bedeckte, stockdunkle Tal. Wenn auch nur für ein paar Minütchen, jedoch genügt dies, um die ganze Tal-Landschaft in herrlich leuchtendem Glanz zu bewundern.

Eine seit tausenden von Jahren verdunkelte Kammer - dank eines einzigen karmischen Windstoßes – bricht das verrostete Eingangstor auf, so dass Sonnenlicht die ganze Kammer auf einen Schlag beleuchtet, bis … der nächste karmische Windzug das Tor wieder schließt. Doch es genügt, wenn auch nur für ein paar Sekunden, um die ganzen unentdeckten Schätze in vollem Glanze erstrahlen zu lassen. Schau! Der goldene Stock. Höre! Das Löwengebrüll des Zen-Meisters Vân Môn:

"Nicht verstricken, nicht irren.
Zwei Personen, nur einer dankt.
Nicht irren, nicht verstricken.
Tausende Irrtümer, unzählige Irrtümer!"

"Mô Phật …!"
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       Fußnoten und Erläuterungen:
  • (*2.) 'Thiền Công Án' (vietn.) bzw. 'Chan Kung-an (chin. Umlaut): Wörtlich 'Öffentlicher Aushang' über ein 'gerichtliches Urteil' (z.B. durch eines Richter), Bestandteil eines Sammelwerks, welches aus vielen 'Công Án'- und 'Quán'-Aufgaben besteht.
  • Erläuterungen: 'Quán' (vietn.) bzw. 'Kuan' (chin. Umlaut): Wörtlicher Ursprung 'Samatha' (Sanskrit); allgemeine Bedeutung als 'Wach- bzw. Bewußt-Sein-Zustand', 'kontemplativ', 'nachsinnen' im Zusammenhang mit 'Samadhi' ('Reine Stille'): 'Samatha - Samadhi' bzw. 'Chỉ - Quán'. Für die ausführliche Darlegung des Wortes 'Chan', 'Kung an', etc. und auch für die Meisternamen wie 'Ba Truong', 'Ma To', u.a. ist das 'Bi Yän Lu' – 'Niederschrift von der Smaragdenen Felswand' ein Meisterwerk der Zen-Meister Yüän-Wu und Hsüä-Dou der Yün-Men Wen-Yän Zen-Linie (Hilfreich hierzu die deutsche Übersetzung von Wilhelm Gundert).
  • (*3) 'Truyền Đăng Lục': Wörtlich 'Niederschrift über die Laternen-Übertragung'. Für die Zen-Tradition gilt diese Art der Niederschriften nur als ein literarischer Teil des Zen-Meister Werkes bei der 'Inka-Bestätigung' / 'Inka-Übertragung' und ist für den auserwählten Dharma-Nachfolger der nächsten Generation vorgesehen.
  • 'Inka' (Sanskrit) bzw. 'Ấn khả' (vietn.): In den westlichen Ländern auch als 'Dharma-Übertragung' bekannt. Das 'Wesentliche des Wesentlichen' bei der 'Inka-Übertragung' geschieht jedoch durch 'Geist zu Geist'.
  • Großer Zen-Meister 'Vân Môn' (vietn.) bzw. 'Yün Men' (chin. Umlaut)
  • 'Bi Yän Lu' (chin. Umlaut) bzw. 'Bích Nham Lục': Vietnamesische Übersetzung des Obersten Abtes Zen-Meister Thích Thanh Từ
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Công án Thiền (*2) 'Wilder-Fuchs-Zen'Auszug aus 'Truyền Đăng Lục' (*3),
ein meisterliches, literarisches Zen-Sammelwerk der Bambuswald-Zen-Tradition.

Erste offizielle deutsche Übersetzung der amtlich-hochvietnamesischen Version.
Ausgewählt, übersetzt und kommentiert von Chính Tâm.
Mitwirkung bei der deutschen Version: Michael
 und Freunde der Bodhi-Kontinuum-Zen-Gruppe
Bambuswald-Zen-Tradition, Vietnamesischer Zen-Buddhismus
München/Vaterstetten, den 15. Dezember 2013


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